Tour 2006
 
Südwestdeutschland
 

Samstag, 16.September
Mein diesjähriger Tourenpartner ist Dirk Niemeier aus Stadthagen und die Fahrt soll uns kreuz und quer durch Südwestdeutschland führen. Der Termin war eigentlich für das Guzzi-Geburtstagstreffen in Mandello bestimmt, aber bei dem miesem Wetter in den Alpen wurde fix umdisponiert und so fahren wir in den letzten Zügen eines stabilen Hochs Richtung Warstein zum Einstieg ins Sauerland.
Auf dieser Tour habe ich zum ersten Mal einen kleinen Stöpsel im Ohr, durch den mir Lisa von TomTom mitteilt, wohin ich zu fahren habe. Die Strecke habe ich zuvor mit einigen Wegepunkten und der Berechnung 'kürzeste Wegstrecke' so eingegeben, daß eigentlich nur die von mir gewünschten Strecken in Frage kommen konnten - weit gefehlt! Zuerst funktioniert die Sache auch ganz gut - links abbiegen, rechts halten - man hört auf das, was die Tante sagt. Die Strecken werden immer schmaler und verwunschener und als ich in einen Skiort namens Schanze im Rothaargebirge geschickt werde, denke ich mir auch noch nichts dabei. Dummerweise habe ich keine Karte zur Kontrolle in das Sichtfenster vom Tankrucksack gesteckt und so kann ich auch nicht überprüfen, wo wir uns gerade befinden. Als hinter Schanze die Straße von geteert in den Schotterzustand übergeht, bekomme ich langsam Zweifel, aber die Strecke ist nicht gesperrt und so fahren wir weiter. Als dann der Schotter auch aufhört und in ein Waldweg mündet, mache ich erst einmal Kartenkontrolle - Mist!! Mitten im Wald, fern von jeglicher Zivilisation! Zurück ist ebenso mies wie weiter, also weiter und hoffen, daß kein Förster kreuzt. Nach einiger Zeit erreichen wir dann wieder Schotter und dann auch befestigte Strasse und Bad Berleburg. Nach dieser Erfahrung ab jetzt nur noch mit Karte und nicht mehr allein auf das Navi verlassen! Erstaunlicherweise hat aber das Navi jeden noch so schlechten Waldweg exakt angezeigt, trotzdem düfte es eigentlich nicht vorkommen, daß man über unbefestigte Wege geschickt wird, und wie sich später noch zeigen wird, wird auch vor verbotenen Strecken nicht Halt gemacht. Wenn einem die Strasse nicht geheuer ist, einfach weiter fahren. Allerdings kann es dann passieren, daß die vorgeschlagenen Strecken immer abenteuerlicher werden. Man wird in der Einstellung kürzeste Strecke brachial durch jeden Feldweg geschickt, Hauptsache es werden Meter gespart.

Jetzt geht es erst einmal weiter über Bad Laasphe, Dillenburg, Weilburg nach Limburg an der Lahn. Die Strecke im Lahntal (B417) ist ein echtes Highlight und eigentlich sollte hier die Reise für heute beendet sein, aber es ist noch früher Nachmittag, und so fahren wir weiter über den Rhein in das Moseltal. In Pommern sichten wir den Veranstaltungshinweis 'Winzerhoffest', und als dann gleich dahinter ein Campingplatz auftaucht, ist das Ziel für heute erreicht. Die Restaurantwahl fällt bei dem dortigen Angebot nicht schwer (mehr als zwei sehe ich nicht), aber das Winzerfest ist schon nicht schlecht!

Sonntag, 17.September
Beilstein/Mosel

Heute hat sich der Himmel bezogen und aus den tiefhängenden Wolken fallen auch ein paar Tropfen. Frühstück in Pommern geht gar nicht, die einzige Bäckerei ist ein Relikt aus den 50igern, aber es gibt guten Kaffee auf dem Campingplatz. Alles zusammenpacken und weiter geht's das Moseltal hinauf. Ab und zu schaut jetzt auch mal die Sonne raus und das Wetter ist zum Fahren eigentlich nicht übel. Kurz im Beilstein anhalten und das Treiben bestaunen. Früher ein vollkommen verschlafendes Örtchen mit der Burgruine Metternich im Hintergrund hat sich das Dorf fast zu einem 'Disneyland an der Mosel' verändert.
In Piesport verlassen wir das Moseltal und ich versuche noch einmal mit Lisa durch den Hunsrück zu kommen. Sie scheucht uns einen Weinberg hoch, so weit so gut, aber leider endet der Weg mitten in einem Reittounier auf grüner Wiese. Ich komme mir ziemlich bescheuert vor, als ich das bepackte Moped wende und möglichst leise wieder zurück fahre. Währenddessen versucht das bl... Navi ständig, uns in verbotene Strecken zu leiten, soviel zur Kartengenauigkeit von TomTom. Letztendlich verlasse ich mich auf meine Karte und kommen so über den Hunsrück nach Idar-Oberstein an der Nahe. Das obere Nahetal ist nicht besonders reizvoll, breite Strassen und viel Industrie. Sehenswert ist allerdings das historische Kupferbergwerk in Fischbach!
Kupferbergwerk Fischbach
Kupferbergwerk Fischbach
Kupferbergwerk Fischbach
Kupferbergwerk Fischbach
Kupferbergwerk Fischbach

Nahetal

So richtig klasse wird die Strecke erst hinter Kirn, die kleine Kreisstrasse verläuft jetzt direkt an der Nahe und nach der Abbiegung nach Schloßböckelheim erleben wir eine winzige einspurige Strecke durch die Weinberge.
Inzwischen ist es später Nachmittag und wir halten Ausschau nach einem Campingplatz (die hier nicht so dicht gesät sind, genauer gesagt, es gibt so gut wie keine...), den wir endlich in Bad Münster finden.
Obwohl Kurstadt, findet das Leben hier nur auf Sparflamme statt und abends eine Gastronomie zu finden, ist eine echte Herausforderung.

Montag, 18.September

Seit letztem Abend regnet es durch und es macht wenig Sinn, die Sachen nass zu packen und im Regen weiter zu fahren. Äußerndem macht mir eine heftige Magenverstimmung zu schaffen und so beschließen wir, heute hier zu bleiben und zu erkunden, was diese Stadt (und vor allem die Apotheke) zu bieten hat. Ab Mittag hört auch der Regen auf.

Ebernburg / Bad Münster

 

 

Da ist vor allem die Ebernburg, die auf einem Hügel an der Altstadt thront. Von hier aus hat man eine sehr schöne Rundsicht und die Felswände an der Nahe sind auch sehr eindrucksvoll. Bei Sonne wäre alles natürlich noch besser, aber man kann nicht alles haben. Dabei haben wir es noch gut, denn in Dillenburg, wo wir noch vorgestern durchgefahren sind, ist Land unter, und das Tief soll sich in den Mittelgebirgen noch etwas halten. Die ursprüngliche Route sollte uns weiter zum Odenwald und Neckar führen, aber da sich von Westen ein neues Hoch nähert, wird für morgen fix eine neue Richtung beschlossen.
Der Rest des Tages wird einfach nur relaxt und mein Magen beruhigt sich auch langsam wieder.

Bad Münster / Nahe
Bad Münster / Nahe
Bad Münster / Nahe

Dienstag, 19.September
Heute Morgen ist es diesig und nebelig, aber man kann die Sonne am Himmel schon wieder ahnen, also geht es weiter gen Westen über Meisenheim (wunderschöne Altstadt), Lauterecken, Altenglan und grobe Richtung Pirmasens in den Pfälzer Wald. Die Gegend rund um Pimasens ist von der Kategorie 'Sehen und Vergessen' , eine elend lange Hochebene ohne Baum und Strauch. Der Pfälzer Wald entschädigt dafür wieder alles und bei einem Eis in Dahn beschließen wir trotz des frühen Nachmittags, die Zelte auf dem hiesigen Platz aufzubauen und ein wenig ohne Gepäck durch den Wald zu kurven.
Den Tag beenden wir in der Pizzeria an der Hauptstraße, die mir noch von einer früheren Tour in Erinnerung geblieben ist.

Mittwoch, 20.September

Vogesen

Prima, auf diesem Campingplatz (Büttelwoog) gibt es morgens Frühstück (nach Vorbestellung am Vortag), danach geht's weiter dem Hoch entgegen, also Südwesten, und da liegen nun mal die Vogesen. Durch wunderschöne Dörfer und Städtchen (Lembach, Reichshoffen, Zinswiller, Ingwiller, Bouxwiller, La Petit Pierre, Phalsbourg) geht es immer wieder in die Berge und Weinfelder bis nach Colmar. Die Gegend, das Elsass, ist wirklich wie geschaffen zum Motorradwandern. Und auch der Himmel spielt inzwischen mit einem Tiefblau mit.
Wir verlassen das Elsass und kommen über den Rhein nach Staufen im Breisgau und checken auf 'meinem' altbekannten Campingplatz 'Belchenblick' ein. Bei einem sehr guten Essen und Wein im Kornhaus beenden wir den Tag.

Donnerstag, 21.September
Heute touren wir ohne Gepäck kreuz und quer durch den Südschwarzwald, nur auf den Belchen kommt man nicht mehr, dafür gibt es jetzt eine Gondel, nicht ganz unser Fall.
Südschwarzwald
Südschwarzwald
Südschwarzwald
Südschwarzwald
Südschwarzwald Südschwarzwald Südschwarzwald Südschwarzwald
Südschwarzwald


Freitag, 22.Juni
Jetzt geht es wieder weiter. Ich vertrau mal wieder Lisa mit einer anderen Einstellung und tatsächlich führt sie uns auf winzigen Strassen bis an den Rand des Schwarzwaldes, nach Albbruck. Vor allem die letzte Strecke an der Alb bis nach Albbruck ist eine Klasse für sich: durch eine schmale Schlucht immer an der Felswand entlang schraubt sich die Strasse langsam hinunter.
Waldshut

In der Innenstadt von Waldshut (sehenswert!) legen wir eine Eispause ein. Von hier aus geht es noch mal kurz in den Wald durch das Schlücht-Tal, um dann bei Stühlingen in die Schweiz einzufallen. Ziel ist Schaffhausen mit dem Rheinfall. Bisher habe ich diesen immer umfahren, aber heute sind die Wassermassen schon recht eindrucksvoll, denn der Rhein führt durch die letzten heftigen Regenfälle in den Alpen reichlich Wasser. Der nächste Haltepunkt ist Stein am Rhein, der Inbegriff einer schweizer Altstadt schlechthin.
Schaffhausen
Schaffhausen
Stein am Rhein
Stein am Rhein
Schaffhausen
Stein am Rhein

Nachdem wir uns das bunte Treiben eine Weile angeschaut haben, fahren wir weiter über Radolfzell zum Bodensee nach Hagnau auf den Campingplatz 'Alpenblick'. Von der Versorgung ist der Platz gut ausgestattet, aber die sanitären Anlagen sind nicht ganz Standard. Man merkt, daß man hier auf einem im Sommer gut besuchten Durchgangsplatz ist.
Hagnau
Hagnau ist ein nettes Dorf mit reichlichem kulinarischem Angebot. Meersburg mit der schönen Altstadt daneben ist allerdings der Ausflugsort schlechthin und am Wochenende nicht empfehlenswert.

Samstag, 23.September
Der Morgen fängt nass und nebelig an, und der Nebel, so hören wir, lichtet sich immer erst am Mittag. Also packen wir die Sachen und fahren wieder gen Norden.
Halt im Donautal
Auf kleinen Strassen im dichten Nebel (geleitet und manchmal auch fehlgeleitet von Lisa) nach Beuron an der Donau. Von dort aus über Balingen, Haigerloch nach Horb am Neckar. Wir sind fast wieder im Schwarzwald. Bis Tübingen (gigantische Altstadt) fahren wir am Neckar entlang, und noch ein Stück im Naturpark Schönbuch, aber Stuttgart umfahren wir auf der Autobahn und kommen erst wieder in Neckarsulm an den Neckar.
Tübingen
Tübingen
Tübingen Tübingen
Tübingen
Weiter geht es am Fluss bis Eberbach, unserem letzten Halt dieser Tour. Der Campingpark Eberbach liegt direkt gegenüber der Stadt auf der anderen Flußseite und glänzt durch gute Platzbeschaffenheit und Sanitäreinrichtungen. Ein Fußweg führt direkt vom Platz über die Brücke in die Altstadt - optimal!
Eberbach/Neckar
Eberbach/Neckar
Eberbach/Neckar
Eberbach/Neckar

Sonntag, 24.September
Heute ist leider Rückreisetag! Die klitschnassen Sachen (ach ja, es ist Herbst) werden gepackt, ein Frühstück im Cafehaus am alten Markt und schon sitzen wir wieder auf den Mopeds und fahren durch den Odenwald nach Miltenberg am Main.

Miltenberg

Auch diese Altstadt ist sehr sehenswert, aber wir haben noch ein paar Kilometer vor uns und so fahren wir weiter am Main bis Wertheim. Hier ist nun endgültig die Landstraßenbummelei vorbei und wir klinken uns auf die Autobahn ein - nun geht es direkt nach Hause.

Es war eine schöne Woche ohne auch nur einen einzigen Meter im Regen mit außergewöhnlich hohen Temperaturen, und das kommt einem schon entgegen, wenn man zeltet.
Schönen Dank auch an Dirk, der mich wahrscheinlich oft als Reiseführer ertragen musste.